Gezeichnet in Skizzen und Spuren
Durch die erlebte Negativität gezeichnet, entpuppt sich die heutige Zeit mit diversen Traumata gekennzeichnet.
I. Die Gestalt in Kunst und Therapie
Ein Wort mit doppeltem Gesicht:
Zuerst trifft es das Sonnenlicht
als Kunstwerk, Skizze oder Bild,
wo Stift auf Leinwand Formen stillt.
Hier ist „gezeichnet“ nur Gestalt,
ein Strich, der auf dem Blatt verhallt.
Doch auch der Mensch in Therapie,
in Sport und in der Ergonomie,
wird zur Figur, die sich bewegt,
wenn Körper sich und Seele regt.
Hier ist das Zeichnen kein Papier,
sondern ein Arbeitsakt am vitalen „Wir“.
II. Das Schicksal als Prägung
Doch wechselt man den Sinn und Ort,
wird „gezeichnet“ schnell zum schweren Wort.
Man sieht dem Menschen etwas an,
was er allein nicht tragen kann.
Vom Schicksal arg gebeutelt sein,
gräbt tief sich in die Züge ein.
Ob „Pechvogel“ im kleinen Kreis,
der stolpert auf dem glatten Eis,
oder als „Traumatisiert" bleibt schwer,
wo innen alles scheint ganz leer.
Als „Betroffene“ neutral benannt,
wird oft das Leid nicht voll erkannt.
Der Fatalist ergibt sich stumm,
dreht sich im Schicksalsrad herum,
der Pessimist sieht schwarz voraus,
und macht das Glück sich gar zum Graus.
III. Der Vergleich - Vorsicht vs. Last
Hier gilt es, fein zu unterscheiden,
wie Menschen an Erfahrung leiden.
Das „gebrannte Kind“ scheut nur die Glut,
weil es nun weiß: Das ist nicht gut.
Es ist belehrbar aus den Fehlern und stets auf der Hut,
Vorsicht dämpft den Überschuss an Übermut.
Wer beim Kauf betrogen war,
sieht überall nun die Gefahr.
Es ist ein Schutz, ein kluges Meiden,
um neuen Schmerz nicht zu erleiden.
Die „gezeichnete Person“ indes,
trägt schwerer noch am Stress.
Hier geht es nicht um bloße Lehre,
hier drückt des Lebens ganze Schwere.
Die Melancholie hat Raum genommen,
die Lebensfreude ist verschwommen.
Nicht Vorsicht ist hier das Signal,
sondern Erschöpfung, tief und fahl.
Der Charakter selbst hat sich gewandelt,
weil das Schicksal hart gehandelt.
IV. Der Ausblick: Resilienz
Doch auch im Dunkeln liegt ein Kern,
manch einer greift nach einem Stern.
Resilient ist, wer trotz allem steht
und gestärkt aus Stürmen geht.
Wer Kraft aus Widerständen saugt,
und an die eigne Stärke glaubt.
Und ist die Last zu schwer zum Tragen,
darf man nach Unterstützung fragen.
Ob Seelsorge oder Rat im Amt,
damit das Leben nicht verdammt.
So bleibt „gezeichnet“ nicht das Ende,
sondern vielleicht die Lebenswende.


